„Die Natur ist die Lehrmeisterin des Arztes.“ – Mit diesem Satz fasste Paracelsus (1493–1541), der große Arzt und Alchemist der Renaissance, sein Weltbild zusammen. Und wo ließe sich diese Weisheit besser studieren als am Untersberg, dem sagenumwobenen Grenzgebirge zwischen Bayern und Salzburg? Zwar sind seine Aufenthalte am Untersberg historisch nicht sicher belegt, jedoch sehr naheliegend, da Paracelsus eine Weile in Salzburg lebte und dort auch starb.
Wer war Paracelsus?
Paracelsus – mit vollem Namen Theophrastus Bombastus von Hohenheim – war ein schweizerisch-österreichischer Arzt sowie Alchemist, (Natur-)Philosoph, Mystiker und Laientheologe der Renaissance. Um 1493 wurde er in der Schweiz geboren.
Er gilt als einer der Wegbereiter der modernen Medizin und als „Magier“ im positiven Sinn – jemand, der das Sichtbare und Unsichtbare zusammen brachte. Als Arzt revolutionierte er die Medizin durch die Anwendung von Chemie, ganzheitlicher Heilmethoden und seiner Weigerung, sich dem Dogma der klassischen Schulmedizin zu unterwerfen. Für ihn war Erfahrung wichtiger als Theorie und die Natur sein größter Lehrmeister.
Er durchstreifte ganz Europa, suchte Heilpflanzen und erforschte Mineralien. Er sprach mit Bergleuten, Kräuterfrauen und Mystikern. Kein Wunder also, dass sich zahlreiche Legenden um seinen Besuch am Untersberg ranken – einem Ort, der bis heute als einer der geheimnisvollsten Europas gilt.
Paracelsus lebte dann etwa 1524 bis 1526 als Arzt in Salzburg. Nach zahlreichen Umzügen kam er 1541 schließlich wieder nach Salzburg zurück, wo er dann auch starb. Seine letzte Ruhestätte fand er am Friedhof St. Sebastian in der Linzer Gasse in Salzburg.
In der Stadt Salzburg erinnert heute zum Beispiel das Paracelsus-Bad sowie der Waldfriedhof Paracelsus an ihn.
Die Verbindung zwischen Paracelsus und dem Untersberg
Man erzählt sich in der Salzburger Region, dass Paracelsus öfter am Untersberg war und sich dort für innere Studien zurückgezogen hat. Er soll am Berg meditiert, Pflanzen gesammelt und mit den Wesen vom Berg gesprochen haben.
Paracelsus soll …
- am Untersberg nach den Geheimnissen der Natur geforscht haben.
- mit den Berggeistern gesprochen haben.
- die Pflanzenkräfte studiert
- und nach dem Wissen zum „Stein der Weisen“ gesucht haben.
- im Untersberg von den Wesen aus Innererde unterrichtet worden sein.
- von einem „Meister der Elemente“ geschult worden sein.
- vielleicht sogar Kontakt mit dem schlafenden Kaiser im Berg gehabt haben.
- als Alchemist im Untersberg geheimes Wissen gefunden haben.
So war der Untersberg für ihn ein Ort des tiefen Lernens und eine Art „alchemistische Schule der Natur“.
Zwei der bekanntesten Legenden zu Paracelsus am Untersberg:
1. Paracelsus soll im Steinernen Kaser nahe der Mittagsscharte verweilt haben, um dort die Lichtphänomene zu beobachten, die nur zweimal im Jahr auftreten (am 21. Juni und 15. August). Er soll gesagt haben, dass der Lichtstrahl, der zur Mittagszeit durch einen Höhlenschlot fällt, nicht nur die Dunkelheit erleuchtet – sondern auch das Herz des Suchenden.
2. In einer anderen Überlieferung heißt es, Paracelsus habe im Untersberg Zugang zu einem „Buch aus Licht“ erhalten – einer Art innerem Wissen, das nur dem offenbart wird, der bereit ist, die Sprache der Natur zu hören.
Historische Belege?
Historisch belegt ist, dass Paracelsus in Salzburg wirkte – als Arzt, Denker und unbequemer Geist. Der Untersberg liegt direkt vor den Toren der Stadt. Es wäre kaum vorstellbar, dass er ihn nicht kannte.
- Es gibt allerdings keine konkreten Quellen, die nachweisen, dass Paracelsus tatsächlich im Untersberg war.
- Er war aber nachweislich mehrfach in Salzburg (u. a. als Stadtarzt) und kannte die Region gut.
- Es ist gut möglich, dass er den Berg kannte und über ihn schrieb oder sprach, doch schriftliche Belege fehlen.
- Paracelsus steht für eine Denkweise, die perfekt zum mystischen Ruf des Untersbergs passt: Natur als Lehrer, Heilung durch Erkenntnis, Magie und Wissenschaft vereint.
Doch ob er tatsächlich im Inneren des Berges meditierte, oder ob diese Legenden aus der Sehnsucht nach einem spirituellen Lehrer in der Region entstanden sind – das lässt sich nicht sagen. Vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig. Denn wie Paracelsus selbst schrieb: „Nicht das Wissen macht den Arzt, sondern das Herz.“ Vielleicht gilt das auch für die Wahrheit über seine Verbindung zum Untersberg.
Fazit: Die Weisheit von Paracelsus für die heutige Zeit
Ob als Forscher, Mystiker oder Wanderer – wer sich dem Untersberg nähert, wird spüren, was Paracelsus einst meinte: Die Natur offenbart sich dem, der ihr mit offenem Herzen begegnet.
Vielleicht suchte Paracelsus nicht nur Kräuter oder Heilmittel – sondern den Spiegel der eigenen Seele in der Stille des Berges. Und wer heute dem Ruf des Untersbergs folgt, betritt denselben inneren Raum: Einen Ort, wo Natur und Mensch, Wissenschaft und Mythos, Licht und Schatten eins werden.
(Text: Karin Myria Pickl mit Unterstützung von Chat GTP; Foto: Porträt von Paracelsus, Pieter van Sompel (um 1600–1644) © wikimedia commons, gemeinfrei)
Quellen:
- de.wikipedia.org/wiki/Paracelsus
- paxnatura.at
